Wir über uns - Geschichtliches

Geschichtliches

Geschichtliches zum Thema Bürgervereine

Wenn ich über unseren Vereinsnamen nachdenke, so kommt mir in den Sinn: Bürger haben einen Verein gegründet.
Daher taucht die Frage auf, was diesen Verein von einem Garten , Gesang , Kaninchenzucht oder auch Sportverein unterscheidet. Wenn wir die folgenden Betrachtungen nachvollziehen, werden wir sicherlich erkennen, worin der Unterschied eines Bürgervereins zu den oben genannten Vereinsbeispielen besteht. Zunächst möchte ich erklären, was ich unter dem ersten Bestandteil des Vereinsnamens zu verstehen habe. Ich ziehe die Brockhaus Enzyklopädie zu Rate, die den Begriff wie folgt definiert:
"BÜRGER (von Burg), früher meist nur die freien, vollberechtigten Einwohner (lat. civis, urbanus) einer Stadt, im Unterschied zu den Unfreien, Halbfreien, Beisassen, unter Sonderrecht stehenden Gästen u. ä.; die Bürgereigenschaft (burgerrecht) bedeutete also eine erwerbbare und verleihbare Rechtsstellung (lat. ius civile). Meistens war sie an Wohnsitznahme und eine Geldzahlung geknüpft und hatte die Zugehörigkeit zur städtischen Gerichtsgemeinde sowie deren Rechtsschutz zur Folge. Im heutigen Recht ist für die Gemeinden der Unterschied zwischen Einwohnern und Bürgern mit einigen Ausnahmen weggefallen. Das Wort Bürger (citoyen) ist seit der Französischen Revolution gleichbedeutend mit Staatsbürger ... !"
Vorläufer für die Wahrnehmung der Interessen der Bürger in früherer Zeit waren bei uns in Duisburg verschiedene Vertreter oder Zusammenschlüsse:
1. Schon im Mittelalter hatten Bürgermeister die Aufgabe, zum Gemeinwohl der Bürgerschaft und der Stadt, die öffentlichen Aufgaben zur Zufriedenheit aller Bürger (siehe oben) zu erfüllen. Die Bürgerschaft wählte den so genannten 16er Außschuß, der mit dem Rat zusammenarbeitete. Dabei sollte man sich vor Augen halten, dass sowohl die gewählten Vertreter des 16er Ausschusses als auch die Ratsherren nur der herrschenden Schicht der Bürger entstammten. Alle anderen Einwohner waren nicht wahlberechtigt. Und das gilt natürlich auch für alle Frauen und Kinder, auch die der Bürger.

2. Der Rat (12 bis 24 Ratsherren) ergänzte sich selbst und musste sich durch die Obrigkeit bestätigen lassen. Der Rat wählte
2 Bürgermeister (nicht der 16er Ausschuß war an der Wahl beteiligt); so noch im 17. Jahrhundert.

3. In preußischer Zeit ab 1713 änderte sich das grundlegend. Alle Gewalt ging nicht mehr von den Bürgern, sondern von der Obrigkeit aus. Die 7 bis 12 Ratsherren waren Befehlsempfänger. Auch die beiden Bürgermeister wurden von oben bestimmt. Der Rat gab wiederum Anweisungen an die 12 Bürgeroffiziere, die mit der Bürgerschaft verhandeln sollten. Praktisch sah das so aus, dass die Bürgeroffiziere den Obrigkeitswillen den Bürgern verständlich zu machen hatten, um eigene Wünsche und Vorstellungen der Bürger sofort im Keim zu ersticken, das hieß "mit den Bürgern über strittige Fragen zu ver-handeln". Jedes Stadtviertel, wie der Name schon sagt, gab es vier davon, hatte je 3 Bürgeroffiziere (1 Fähnrich, 1 Leutnant, 1 Kapitän).

4. Vorher waren diese Bürgeroffiziere nur mit der Bürgerwehr befasst, und man geht sicher nicht fehl in der Annahme, darin die Vorläufer der Schützenbruderschaften und Bürgerschützenvereine zu sehen.

5. Friedrich der Große, der Alte Fritz, lockerte dieses preußische Obrigkeitsdenken zugunsten der führenden Familien in der Stadt, die wie früher ihre Ratsvertreter bestimmen konnten, so dass wenige Familien jahrzehntelang die Geschicke der Stadt lenkten.

6.Die Franzosen führten 1807 die Munizipalverfassung ein. Der Kaiser (Napoleon 1.) ernannte den Maire kein Berufsbürgermeister; bis zu 20 ehrenamtliche Munizipalräte hatten auf den Maire so gut wie keinen Einfluss. Sie durften lediglich das Recht der Rechnungsprüfung ausüben.

7. Auch nachdem die Preußen das Regime wieder übernommen hatten, ernannte die preußische Regierung Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder.
8. 1845 wurde das Dreiklassen Wahlrecht eingeführt; ab 1850 wurde der Bürgermeister durch den Gemeinderat gewählt. Diese Städteordnung blieb bis 1933 in Kraft.

9. Später bildeten sich politische Parteien, um gemeinsame Interessen besser durchsetzen zu können.

10. Nach dem 2. Weltkrieg fand die bürgerliche Mitsprache verschiedene Formen der Einflussnahme, die mehr oder minder begrüßt, erwünscht oder geduldet wurden. Ausdrücke wie Bürger , Bezirksausschuss, Bürgerverein drückten diese Tätigkeit aus. Da diese Bezirksausschüsse praktisch mit Rats und Fachausschüssen konkurrierten, kam es immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten.

11. Deshalb beschloss der Rat der Stadt 1970 die Bildung von Bürgerausschüssen. Ab 1971 konstituierten sie sich ratsunabhängig, jedoch parteigebunden.

Außer diesen offiziellen Bürgerausschüssen entstanden in den verschiedenen Stadtteilen Bürgervereine, um ebenfalls (parteiunabhängig) die Belange und Interessen ihres jeweiligen Bereiches in gesellschaftlichen und kulturellen Fragen durch Eingaben an den Rat und die Verwaltung wahrzunehmen bzw. Publikationsorgane herauszugeben. Viele dieser Bürgervereine haben sich zusammengeschlossen zum Verband Duisburger Bürgervereine.
Als Beispiele auf Duisburger Ebene seien genannt:

1875 Bürgervereinigung Duisburg Laar
1951 Bürgervereinigung Stadtmitte Duisburg e. V.
1962 Beecker Bürger und Heimatverein
1970 Bürgerverein Hamborn

und die Zahlen für den Duisburger Süden:

1874 Wanheimerort
1921 Ehingen
1946 Buchholz (Vorgänger 1925 Buchholzer Krieger - verein)
1958 Wanheim
1971 Großenbaum/Rahm
1972 Huckingen
1972 Wedau/Bissingheim
1987 Hüttenheim
1988 Mündelheim

Ebenso wie in Wedau und Bissingheim hat es auch in anderen Stadtteilen Vorgänger der heutigen Bürgervereine gegeben, wie zum Beispiel in Rahm und Großenbaum vor und nach dem 1. Weltkrieg.
Alles in allem zeigen diese bruchstückhaften Nennungen von diversen Bürgervereinigungen, dass hier schon lange ein lebhaftes Interesse der Bürger daran bestand, sich für die Gestaltung und Verbesserung ihres Umfeldes zu engagieren.
Dass viele Vorgänger der Bürgervereine auf der Strecke blieben, war ebenfalls typisch für ihre Zeit. Bürgervereine wurden früher gerne als unbequeme Zeitgenossen betrachtet, soweit sie nicht linientreu bereit waren, sich für die Wahrnehmung der Interessen der jeweiligen Obrigkeit einspannen zu lassen. Kaiserreich und der Terror des Tausendjährigen Reiches" sind Gott sei Dank lange vorbei.
Heute haben wir mit den Vorzügen und Nachteilen unserer Demokratie zu leben. Und Leben bedeutet auch, sich beizeiten "ins Zug zu legen", um für seinen Stadtteil Vorteile, ...Verbesserungen zu bewirken. Nicht immer gelingt alles, was einzelne Bürger vorschlagen, weil sie allein keine Lobby haben.
Auch wir als Vorstand des Bürgervereins Wedau Bissingheim haben im Laufe unseres Bestehens viele, viele Anträge, die die Bürger an uns richteten, diskutiert, verworfen oder, bei positivem Mehrheitsbeschluss, als Antrag weitergeleitet an die zuständigen Stellen. Nicht alles kann kurzfristig als erfolgreich abgehakt werden. Sachliche und finanzielle Gründe können einer schnellen Realisierung im Wege stehen. Aber im begründeten Einzelfall haben wir schon einen Antrag über 20 Jahre verfolgt und immer wieder Jahr für Jahr aufgefrischt in der Hoffnung, dass endlich einmal Versprechungen der zuständigen Ämter verwirklicht werden (siehe Fußweg parallel zur Bissingheimer Straße zwischen Südgraben und DB Haltepunkt Bissingheim).
Zur Entwicklung unseres Bürgervereins innerhalb der Jahre könnte viel gesagt werden. Viel Arbeit steckt in den Jahren Vorstandstätigkeit, wenn man bedenkt, dass der Vorstand im Jahr durchschnittlich 9 Sitzungen durchführte mit einer Sitzungsdauer von 3 bis 4 Stunden. Hinzu kommen die vielen Ausschüsse, ob es sich um die Vorbereitung der beiden Stadtteil Jubiläen, die Erbauung des Aussichtsturms, die Vorbereitungen der jährlichen Weihnachtsmärkte, der Marathon Stadtteilfeste, der Neujahrsempfänge handelt oder auch die Vertretung des Bürgervereins bei ortsansässigen Vereinen oder Veranstaltungen in den Stadtteilen Wedau und Bissingheim. Nicht zuletzt seien die Sitzungen der Süd Bürgervereine erwähnt und die Teilnahme an Ereignissen anderer Bürgervereine des Duisburger Südens. Sitzungen auf Einladung der Bezirksvertretung Süd und des Bezirksamtes Duisburg Süd mussten ebenfalls durch Delegierte des Vereins wahrgenommen werden.
So kann man vielleicht verstehen, dass in den Jahren schnell 2000 Stunden überschritten worden sind und der Partner, die Familie, musste uns entbehren. Aber wir haben es gerne getan; sonst hätten wir längst den Weg gewählt, den andere Vorstandsmitglieder nach kürzerer oder längerer Tätigkeit im Vorstand eingeschlagen hatten ... raus aus dem Vorstand oder im Einzelfall, wenn der persönlich empfundene Druck zu groß war ... raus aus dem Verein. Das kann man niemandem verübeln. Ganz im Gegenteil, dankbar wollen wir uns an alle Kolleginnen und Kollegen erinnern, die diesen langen Weg zumindest streckenweise mit uns gemeinsam gegangen sind.

Uwe Zeppenfeld

Webdesign by promote it